Aus online wird offline: Treffen der Lingualpfeife-Community

„Achtung, die verstaubte Kirche streamt gerade!“, ruft es von der Empore der Kirche St. Pankratius in Wiggensbach bei Kempten. Gerade hat ein junges Paar die barocke Pfarrkirche betreten, um sie zu besichtigen. Mehrere Leute mit Smartphone in der Hand filmen in diesem Moment im Kirchenraum – live übertragen auf YouTube und Facebook. Das junge Paar wurde Zeuge des ersten Treffens der Online-Community „Lingualpfeife“ mit rund 25 Teilnehmern. Auf der Empore steht Ludwig Martin Jetschke, Gründer der Community. Was der Lehramtsstudent als kleines Projekt begann, um Organisten und anderen Interessierten das im Jahr 2013 erschienene neue Gotteslob näherzubringen, hat sich zu einem aktiven YouTube-Kanal mit mehreren Millionen Klicks entwickelt.

Vorabendmesse beim Communitytreffen

Längst geht es um mehr als Orgelmusik: Um Jetschke hat sich eine breit gefächerte Plattform etabliert, zum gemeinsamen Austausch und zum Gebet. Anders als eine Gemeinde oder Pfarrei kennt eine solche Community keine territorialen Grenzen und lockt auch eine Generation an, die den Gottesdiensten meist fernbleibt: „Wenn ich in die Kirchen schaue, fehlt die Generation zwischen dem Erstkommunion- und Ministrantenalter und den Vierzigern, wenn die Leute mit ihren Kindern wieder in die Kirche kommen. Genau diese Altersstruktur finden wir in den WhatsApp-Gruppen und Facebook und genau dort setzen wir an“, sagt Pfr. Andreas Demel, Community-Geistlicher und leitender Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft am Blender mit Sitz in Wiggensbach.

Gruppenfoto nach der Vorabendmesse

Viele Teilnehmer sahen sich zum ersten Mal im echten Leben – aus online wurde offline, aus Pseudonymen Bekanntschaften. Weite Teile des Treffens wie Diskussionsrunden, ein Orgelimprovisationsworkshop oder die Vorabendmesse wurden über Facebook und YouTube öffentlich abrufbar ins Internet übertragen. Somit konnten auch diejenigen teilhaben, denen keine Reise ins Allgäu möglich war. Und wo es um Kirche, Digitales und Vernetzung geht, da dürfen die Messdiener St. Gertrud Leimersheim natürlich nicht fehlen. Christian Liebel zeichnete sich vor Ort für die technische Infrastruktur zum Streamen verantwortlich. Gleichwohl ist es nicht der letzte Besuch von Leimersheimern in Wiggensbach: So findet das diesjährige Messdienerratswochenende, die Klausurtagung der Messdienerleiterrunde, Ende Juni im dortigen Kolpingheim statt. Weitere Informationen über die Online-Community Lingualpfeife finden Sie unter www.lingualpfeife.de.

(Fotos: Katharina Gebauer)